Jetzt noch Aktien kaufen

Ist jetzt noch die richtige Zeit um Aktien zu kaufen?

Die meisten der großen Indices haben bereits fast wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht, einige notieren sogar schon höher.

Der Deutsche Aktien-Index DAX, der die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen abbildet, liegt nur noch knapp 4% unter dem Stand vor dem Corona Crash. Und das ist bei einem Kursrückgang von fast 40% schon beachtlich.

Aktien-Index DAX

Auch beim Dow Jones, dem großen amerikanischen Index sieht es sehr ähnlich aus. Auch hier ist ein Großteil der Verluste bereits wieder kompensiert.

Dow Jones

Noch verrückter sieht es bei den Technologiewerten aus. Der NASDAQ, in dem die 100 größten US-amerikanischen Unternehmen der Technologiebranche zusammengefaßt sind, steht aktuell sogar schon wieder 15% über dem Vorkrisenniveau.

NASDAQ

Warum die Börsen bei Ausbruch der Corona Pandemie so heftig eingebrochen sind, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht nochmal in aller Länge beschreiben. Unternehmen konnten nicht mehr produzieren, nichts mehr verkaufen und auch keine Veranstaltungen mehr ausrichten. Und wer nichts einnimmt, der macht auch keinen Gewinn. Und das wird an den Börsen mit Kursverlusten bestraft.

Aber warum haben sich die Kurse in nur wenigen Monaten wieder so stark erholt? Geht es der Wirtschaft jetzt blendend? Oder zumindest so gut, wie vor der Pandemie.

Die eindeutige Antwort lautet: NEIN!

Weder haben die Unternehmen die Krise überwunden noch sind die Aussichten super rosig. Die steigenden Kurse lassen sich zum einen dadurch erklären, dass die Verunsicherung der Märkte etwas zurück gegangen ist. Zu Beginn der Pandemie wußten Anleger nicht, wie stark die wirtschaftlichen Auswirkungen sein werden und haben deshalb, teils panisch, verkauft. Inzwischen ist relativ klar, welche Branchen stark betroffen sind.

Zum anderen haben die Staaten und Notenbanken sehr schnell reagiert und Hilfspakete aufgelegt, wie man sie nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht gesehen hat. Investoren setzen große Hoffnungen in diese Maßnahmen und erwarten, dass der Schaden hierdurch deutlich begrenzt werden kann.

Zu guter Letzt sind fehlende Alternativen und Anlagedruck bei institutionellen Investoren ein ganz wesentlicher Kurstreiber. Die Zinsen auf Staats- und Unternehmensanleihen sind nach wie vor am Boden, somit bleiben nur Aktien, um nennenswerte Renditen zu erwirtschaften. Hinzu kommt, dass Investmentfonds, Versicherungen und sonstige professionelle Anleger von ihren Kunden mehr oder weniger unter Druck geraten, die starke Aufwärtsbewegung seit dem Tiefpunkt möglichst gut mitzunehmen. Viele Profis haben zu Beginn der Krise verkauft und Cash gehalten. Der Wiedereinstieg erfolgte zunächst zögerlich. Mit weiterhin steigenden Kursen wuchs jedoch der Anlagedruck, was zu weiteren Kurssteigerungen führte.

Meines Erachtens sind die aktuellen Kurse eher durch Hoffnung und Alternativlosigkeit geprägt. 

Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sind die Auswirkungen des Lockdowns noch nicht durchgeschlagen. Die Unterstützungsmaßnahmen verschleiern hier eventuell das ganze Ausmaß, sie verschieben das Problem also zeitlich nur nach hinten, lösen es aber nicht.

Eine große Insolvenzwelle bei diesen Unternehmen würde dann auch die Banken treffen, die Kredite bereitgestellt haben und die dann nicht mehr bedient werden können…und was passiert, wenn der Bankensektor hustet, haben viele wahrscheinlich noch gut in Erinnerung.

Was also tun?

Ich selbst bin mit größeren Einmalanlagen aktuell zurückhaltend. Wer vor der Situation steht, einen großen Betrag anlegen zu wollen, der sollte die Summe aufteilen und dann über 9 bis 12 Monate, wie bei einem zeitlich begrenzten Sparplan, investieren. Wenn es dann in den nächsten Wochen oder Monaten einen stärkeren Rücksetzer geben sollte, ist man eben nur mit dem bis dahin eingezahlten Kapital betroffen und noch nicht mit der Gesamtsumme.

Meine normalen Sparpläne lasse ich normal weiterlaufen. Hier halte ich noch etwas Liquidität zurück, um ggf. nochmal günstig nachkaufen zu können.

Fazit

Mehr Stabilität und Zuversicht wird es wohl erst geben, wenn die von der Pandemie betroffenen Unternehmen alle Auswirkungen in ihren Bilanzen verarbeitet haben. Auch zu einer zweiten großen Infektionswelle sollte es nach Möglichkeit nicht kommen. Ein zweiter Lockdown wäre eine Katastrophe…

Es bleibt zu hoffen, dass das Vertrauen der Verbraucher keinen nachhaltigen Knacks bekommen hat und der Konsum weiterhin positive Impulse für das Gewerbe liefert. Let´s keep our fingers crossed.

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